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Sonstige Ich habe einen Traum

Ich habe einen Traum
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Geschrieben von: Sabine Bröckel   

 

Doch nun habe ich einen Traum.

Ich spüre, dass die Worte, die in mir zu entstehen scheinen, sich zueinander schwimmend formen und Sätze bilden, die aus mir herausdrängen.

Dass sie in mir zu klingen beginnen, wenn ich in mich lausche und dass ich sie zu Papier bringen muss, damit sie auch für andere Menschen klingen – ganz gleich, ob ihre Melodie sie erreicht und berührt oder es die Disharmonie der schrägen Töne ist, denen sie lauschen und die sie in ihnen finden, denn jeder muss, jeder soll seinen eigenen Klang darin erkennen.

 

Ich fühle die Freude, die in mir wächst und das Glücksgefühl an dem ich mich berausche, wenn ich sie niederschreibe und dann ist es, als wäre es nicht ich, der die Tasten niederdrückt – eine um die andere, schneller, von der Begeisterung angetrieben auf den Bildschirm fliegend – sondern eine fremde Macht, die meine Finger steuert, mir Gedanken einflüstert und die Buchstaben aus der Tastatur perlen lässt und sie nebeneinander reiht zu einer Kette von Wörtern, von Sätzen, von Abschnitten und zu einer Geschichte zusammenfügt; die sich zu einem Schmückstück auffädeln und perfekt zueinander, aneinander passend sich vereinen.

Es ist, als würde ich in Trance geraten, denn um mich herum scheinen Zeit und Raum nicht mehr existent zu sein und mit jedem Tastenschlag ist es, als würde ich die Sprossen einer Leiter emporsteigen. Weit weg vom Hier und Jetzt in Sphären wandeln, die aus meiner Inspiration erschaffen, zu einer eigenen zu meiner Welt werden, in der ich der bin, der ich sein möchte: ein Schreiberling, ein Schriftsteller, ein Autor, ein Dichter, ein Poet, ein Wortfinder und -zusammenknüpfer, dessen Fantasie die Grenzen der Wahrheit überschreitet, Realitäten erschafft, Bauwerke aus Buchstaben in schwindelnde Höhen treibt und das Universum erobert, auf dass es über meine Zeilen tanzen möge zur Melodie meiner Sätze.

Welch Wunder mir gelingt, wenn leere, weiße, reine Seiten sich füllen und beschriebene Blätter zu einem Kunstwerk werden – zu einer Sinfonie der Tastenschläge.

Welch euphorische Klänge sind es – eine Tonleiter des geschriebenen Wortes – die mich erfüllen, mit jedem Mal wenn meine Finger über die Tasten eilen, suchend, findend, niederfahrend, etwas Großartiges auslösend, etwas Bleibendes schaffend.

Und welche Lust ist es, die mich schmeichelnd umfängt, wenn ich das Werdende, das Wachsende hegen darf mit meiner Liebe zu ihm, mit meiner Liebe zu den Worten aus denen es entstehen soll.

Will ich ein Bildhauer sein, der groben Stein zu wahrer Kunst formt?

Will ich ein Maler sein, dessen zartes Pastell die Menschen anrührt und dessen kräftige Farben ihre Welt bunter, schöner, froher macht?

Will ich ein Musiker sein, der all sein Herzblut, all sein Sehnen und Hoffen in den Bogen gibt den er führt, in die Saiten streicht, die für ihn und nur für ihn, den Herrn und Meister klingen und seine Leidenschaft hinausfliesen lassen aus dem hölzernen Körper des Instrumentes, dass er zärtlicher umfängt, als wenn es aus Fleisch und Blut wäre?

Will ich ein Tänzer sein, dessen Körper mit der Unendlichkeit zu verschmelzen scheint, wenn er befreit von aller Erdenschwere in kühnen Sprüngen sich, von der Musik getragen, von Tönen beflügelt, von Klängen verzaubert, auf den Schwingen der Rhythmen emporhebt von den Brettern, die die Welt bedeuten?

Oh nein, ich will kein Bildhauer sein!

Ich will nicht Stein und Meißel nutzen, nicht Kunst aus Felsen schlagen.

Ich will mein Werk von zarter Hand gestalten, es mit Papier und Tinte formen und reine Unschuld weißer Seiten mit meiner Gedanken filigraner Worte küssen.

Und auch des Malers farbenfrohe Muse ist es nicht, um die ich ihn beneide.

Soll er den Pinsel schwingen und sich der bunten Pracht erfreuen, die seine Palette so großzügig an ihn verschenkt, denn meine Bilder schaffen nur Gedanken und meine Leinwand ist die Fantasie.

Sollte meine Bestimmung sein, all meine Gedanken in Klang und Töne umzuformen, ein Musiker zu sein, der Noten zwischen Linien schreibt und nicht wie ich Buchstaben in Zeilen dann wäre mein Lied mir fremd, denn keine Seele wäre ich fähig ihm einzuhauchen, kein Herzblut würde ich ihm schenken, was zum Leben es erweckt

– und so will auch kein Musiker ich sein.

Könnte ich der Schwerelosigkeit entfliehen und gleichzeitig mich doch zum Gefangenen der Schritte, der Töne machen, die sie leiten, wenn ich doch nach der Freiheit strebe, die nach keiner Pfeife tanzt?

Nein - des Tänzers leise Sprache, die er aus jeder Pore schwitzt, die schwindelnd sich in Pirouetten drehend verdreht, verfälscht von Choreographien, denen untertan er sich macht, nicht meine Worte findet, nicht meine Sprache spricht - mag stark sein Ausdruck sein und jauchzend seine Botschaft, doch kann ich niemandes Sklave werden, weil frei im Geist ich bin.

Und mit jedem Atemzug den ich in meine Lungen sauge, mit jedem Herzschlag, dessen Pochen, mich am Leben hält, weiß ich genau, dass nicht das Blut es ist, was durch meinen Körper fließt, nicht der Verstand der den Befehl ihm gibt zu funktionieren, nicht meines Leibes perfekte Konstruktion, die mich belebt, mich heilt, wenn ich des Daseins Leid nicht länger zu ertragen glaube – mein Lebensnerv ist die Inspiration, mein Sauerstoff die Fantasie, meine Geliebte, die Muse die mich küsst und jeder Herzschlag ist begleitet von der Gewissheit, dass sich mein Leben nur erfüllen kann und einen Sinn bekommt, wenn ich es in Worte fasse, die zu Papier ich bringen darf.

Ich will Luftschlösser bauen in Welten, die zu erfinden ich meinem Geist gestatten möchte.

Ich will meinen Durst stillen an Quellen, die in meinen Gedanken fließen.

Ich will freudvoll das Universum umarmen, das ich zwischen meinen Zeilen finde.

Ich will mich lustvoll räkeln in dem Gefühl, wenn der reinen Seiten Unschuld ich dann raube, sobald ich sie mit Worten fülle und entweihe.

Ich will mich verzaubern lassen von der Magie der Punkte, der Semikolons und der Kommas, wenn sie Sätze zerschneiden, verbinden, trennen, um einen neuen Sinn zu erfinden, um eine neue Wahrheit erkennen zu lassen, die sich ohne sie mir nicht erschloss.

Ich will trösten lassen mich von dem Flüstern das ich aus den Zeilen höre, niemand sonst, nur ich, weil meine Tränen, die Geweinten und die Ungeweinten ihnen eine Seele gaben, das Leben einhauchten, das mich berührt, erfüllt, mich wahr werden lässt – sie wahr werden lässt.

So sind wir eins und das ist das Ziel – eins zu werden, zu verschmelzen zu dem großen Ganzen.

Es ist vollbracht.

So ist es die Aufgabe, die Mission , den Sinn des Lebens zu erkennen und ihn zu leben, ihn zu lieben - so sehr, dass die Brust zu eng wird für das Jauchzen und Frohlocken und es nach draußen drängt, um hinauf zu fliegen zum Schöpfer, damit es ihn erreicht.

Und ich weiß, dass er dann lächeln wird, weil ich zu ihm zurück gefunden habe


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