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Science-Fiction 2052 - Ocean Queen

2052 - Ocean Queen
( 27 Bewertungen )
Geschrieben von: Martin Prebendo   

Der Expresszug bohrte sich wie ein Pfeil mit halber Schallgeschwindigkeit durch die eiskalte Winterluft. In Rodby begann er an Geschwindigkeit zu verlieren. Beim Erreichen der neunzehn Kilometer langen Fehmarnbrücke fuhr er kaum noch dreihundert Stundenkilometer schnell. Thor Eklund, Agent der ISA, lehnte sich in den weichen Sessel seines Erste-Klasse-Abteils zurück. Er war in allen Disziplinen der Beste seines Ausbildungsjahrgangs gewesen und optimal auf seinen Auftrag vorbereitet worden.

 

Dennoch war er leicht nervös. Seine Aufgabe im islamischen Europa war einfach zu beschreiben und doch, menschlich gesehen, unlösbar. Thor musste den SWEAD-Agenten INV-1 finden, eliminieren und die Daten des Organipro an seine Einsatzstelle in Lappland übermitteln. Bis zum Halt an einer der bestbewachtesten Grenzen der Erde hatte Thor kaum noch zehn Minuten Zeit.

Puttgarden auf Fehmarn markierte einen der nördlichen Grenzepunkte der UNISEA, der Union Islamischer Staaten von Eurasien und Afrika. Dort wurde nach allen Möglichkeiten der Technik kontrolliert. Militärisch gesehen war die UNISEA die Weltmacht Nummer 1 und würde früher oder später die ACHSE, die Allianz Christlich-Humanistischer Staaten von Europa, angreifen. Davon waren die Regierungen der ACHSE-Staaten durchweg überzeugt. Ihr Militärbündnis mit Russland würde kaum verhindern können, dass die UNISEA bald ganz Europa beherrschte. Zudem hatte die UNISEA einen ausgezeichneten Geheimdienst. Die Agenten des SWEAD, des Südwesteuropäischen Abwehrdienstes, galten als technisch perfekt und nahezu unbesiegbar. Vor drei Jahren fielen der ISA, dem Intelligent Service of ACHSE, Thors Arbeitgeber, drei SWEAD-Agenten in die Hände, die in einer Stealth-Drohne Schweden überflogen. Die Abwehr entdeckte das Fluggerät nur durch ein kurz zuvor entwickeltes Biometrie-Radar, das auch nur deshalb auf die Drohne ansprach, weil die SWEAD-Agenten der INV-Reihe organische Komponenten besaßen. Die SWEAD-Agenten überlebten, obwohl die Drohne aus einer Höhe von über zwanzigtausend Fuß abgeschossen worden war. Nachdem sie die völlig zerstörte Drohne verlassen hatten, lieferten sie sich einen erbitterten Kampf mit einer Elite-Hundertschaft der ISA. Der Kampf endete mit dreizehn toten ISA-Elitesoldaten und der Liquidation der SWEAD-Agenten.

Für die ISA waren die SWEAD-Agenten ein Fang von unschätzbarem Wert. Alle drei gehörten zur INV-Reihe. Sie waren Roboklone, eine Mischung aus Klon und Roboter. Gesteuert wurden sie durch ein hochkompliziertes Programm, das es ihnen erlaubte, selbständig sekundäre Entscheidungen zu treffen. Statt einer Milz besaßen die Roboklone des SWEAD ein apfelgroßes, rundes Organ. Die Wissenschaftler der ISA untersuchten das Gebilde mit einem Nano-Scanner. Dabei stellten sie fest, dass es eine Struktur hatte, die dem menschlichen Gehirn ähnlich war. Das vorläufige Untersuchungsergebnis enthielt folgenden Wortlaut: "Der UNISEA ist es gelungen, eine Art bioelektronisches Gehirn zu entwickeln, dessen Leistungsfähigkeit weit größer ist als die eines jeden konventionellen Elektronengehirns. Das Denk- und Speicherzentrum eines INV-Agenten funktioniert auf biologischer Basis und enthält kreative Bereiche. Wir nennen dieses Gebilde Organipro. Es besteht der Eindruck, dass dieses Wesen nicht nur gespeicherte Daten liest und anwendet, sondern dass es auch selbständig Entscheidungen treffen kann. Unsere Kenntnisse der Informatik reichen nicht aus, um die gespeicherten Daten umfassend lesen zu können. Allerdings ist es uns gelungen, Daten eines Nebenspeichers zu entziffern. Dieser Nebenspeicher ist auf herkömmliche Daten programmiert und dient zum einen als Lesegerät für externe Quellen wie zum Beispiel ID-Chips und zum anderen als übersetzungsmodul, das die gelesenen Daten in Bioinformatik übersetzt. Letztere bildet die Grundlage des Hauptspeichers. Die Datenübermittlung innerhalb des Körpers des Roboklons geschieht über Nanofasern, die wie Nerven mit allen Muskeln verbunden sind. Es ist vorstellbar, dass ein INV-Agent eine Person am Handgelenk berührt und dadurch alle Informationen erhält, die der Mensch auf seinem ID-Chip gespeichert hat. Darüber hinaus beinhaltet das apfelgroße Gebilde einen hochsensiblen Satellitensender und Empfänger, der in der Lage ist, alle empfangenen Informationen weltweit weiterzugeben und gleichzeitig neue Informationen über Satellit zu empfangen."

Thor kannte die Einleitung zu dem Bericht der Wissenschaftler auswendig. Im Verlauf weiterer Untersuchungen kam man zu dem Schluss, dass die INV-Agenten untereinander vernetzt waren. Man fand heraus, dass die Bezeichnung der einzelnen Agenten Rückschlüsse auf ihre hierarchische Stellung zuließ. Die untersuchten Agenten besaßen alle dreistellige Nummern, die als Identifizierungsmerkmale in ihren Nebenspeichern geführt wurden.

Dann kam der 19. Oktober 2052. Auf einem internationalen Informatik-Kongress in London, Hauptstadt der ACHSE, erschien auch eine Delegation von Wissenschaftlern der UNISEA. Bei einem Stehempfang vertraute sich einer dieser Wissenschaftler einem Kollegen aus Schweden an. Er suchte Asyl, bat aber gleichzeitig, dass er mit keinem Vertreter der Administration in Verbindung gebracht werde. Auf einem Blatt Papier erklärte er schriftlich, um nicht abgehört werden zu können, dass sich an seiner Hypophyse, der Hirnanhangsdrüse, eine winzige Bombe befände, die über Satellit gezündet werden könne. Die einzige Möglichkeit, sein Leben zu retten wäre, ihn in einen Newton-Raum zu bringen und dort zu operieren. Kenneth Newton hatte fünf Jahre vorher die Newton-Bombe erfunden, die jede Art von drahtloser Kommunikation für Tage lahm legen konnte. Ein Newton-Raum war ein Ort, an dem die Auswirkungen dieser Bombe dauerhaft aufrecht erhalten wurden. Die Konferenz fand in einem Kongresszentrum statt, in dessen Kellerräume sich mehrere Versuchslabors befanden. Auch ein Newton-Raum war vorhanden. Der UNISEA-Wissenschaftler, ein Italiener, wurde in den Raum geführt und von einem Chirurgen sofort operiert. Die entfernte Bombe hatte eine geringe Sprengkraft. Doch sie wäre ausreichend gewesen, die Hypophyse des Wissenschaftlers zu zerstören und ihm damit das Leben zu nehmen.

Der überläufer war Bioinformatiker. Er half seinen Kollegen der ACHSE, die Bioinformation der Organipro zu entziffern. Dabei wurde die Annahme bestätigt, dass die INV-Agenten hierarchisch organisiert waren und untereinander kommunizieren konnten. Sie erhielten ihre Befehle nicht von einer Einsatzzentrale, sondern von den INV1-9. Diese Erkenntnis hatte weitreichende Folgen. Der ISA war immer davon ausgegangen, dass man bei einem bewaffneten Konflikt mit der UNISEA nur deren Kommandozentralen zerstören müsse, um einen Krieg zu gewinnen. Dabei verließen sich die Streitkräfte der ACHSE auf die von ihnen neu entwickelte PB-Bombe, die Power-Blast-Bombe, mit der man auf einer Fläche von mehreren Quadratkilometern ein Erdbeben der Stärke 11 bis 12 auf der Richterskala auslösen konnte.

Inzwischen wusste man, dass alle für einen Angriff notwendigen Daten in dem Organipro der einstelligen INVs gespeichert waren und jederzeit zum Einsatz gebracht werden konnten. Womöglich hatte die Regierung der UNISEA den INVs schon einen Angriffstermin mitgeteilt. Wie konnte man das herausbekommen? Wie konnte der ISA erfahren, welche Angriffspläne die UNISEA hatte? Sie mussten das Organipro eines einstelligen INV bekommen oder zumindest die dort gespeicherten Daten.

Mit Hilfe des italienischen überläufers konstruierten die ACHSE-Wissenschaftler in wenigen Tagen ein Lesegerät für das Organipro. Dieses Gerät wurde Thor im linken Fuß eingesetzt. Es war in der Lage, die Informationen des Organipro durch Haut und Knochen hindurch bis zu einer Entfernung von vierzig Zentimetern zu lesen. Die Frage war: Würden die Kontrolleure das Gerät in Puttgarden bei Thor entdecken? Bei normalen Grenzkontrollen genügte es, das linke Handgelenkt unter den Scanner zu schieben. Alle relevanten Daten erschienen auf einem Bildschirm und wurden mit den Daten der Zentrale verglichen. Thor Eklund rangierte auf der Weltdatenbank als schwedischer Importeur für Agrarprodukte. Zweck seiner Reise war es, Zitrusfrüchte aus Südeuropa aufzukaufen. In Wirklichkeit suchte er den Agenten INV-1, der sich nach den Erkenntnissen des ISA zur Zeit in Hamburg aufhielt.

 

Zu kaufen gibt es das Buch derzeit noch nicht. Es wird noch überarbeitet.

 

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Kommentare 

 
#1 Dan 20.05.2009

Sehr spannend und futuristisch, sehr gut geschrieben !

Zitat:
Zu kaufen gibt es das Buch derzeit noch nicht. Es wird noch überarbeitet.


Hoffe das Buch kommt bald auf den Markt..
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#2 Martin 11.09.2009

Das Buch ist als Manuskript fertig. Über den Druck ist noch nicht entschieden (Selbst- oder Fremdverlag) Zitieren
 
 
#3 EMT 09.03.2010

Sehr interessant. Leider wird es ziemlich technisch mit diesen Roboklons. Da wird es anstrengend.
Aber es hat was besonderes. Hoffe nur die tausend Organisationen werden irgendwo aufgelistet, ich hatte so meine Probleme. Vielleicht hinten so eine kleine Graphik.
Viel Glück mit dem Buch!
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#4 Martin 26.05.2010

zitiere EMT:
Sehr interessant. Leider wird es ziemlich technisch mit diesen Roboklons. Da wird es anstrengend.
Aber es hat was besonderes. Hoffe nur die tausend Organisationen werden irgendwo aufgelistet, ich hatte so meine Probleme. Vielleicht hinten so eine kleine Graphik.
Viel Glück mit dem Buch!


Hallo EMT,

das Buch steht kurz vor dem Druck. Im fertigen Buch befindet sich am Schluss eine Liste mit Erklärungen. Schau doch mal in etwa zwei Wochen in den prebendo.com Buchshop. Dann ist es vielleicht schon lieferbar.
Good luck,
Martin
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#5 Martin 02.07.2010

das Buch ist ab sofort lieferbar. Schaut doch mal auf www.2052-dasbuch.de vorbei. Bestellen könnt Ihr es im Büchershop www.prebendo.com für € 12.90. Bin mal gespannt, wie es Euch gefällt :-) Zitieren
 

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