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Erzählungen Der Garten der Schönen Lügen

Der Garten der Schönen Lügen
( 4 Bewertungen )
Geschrieben von: Ritti Soncco   
(Auszug aus "Der Garten der Schönen Lügen")
 
Ich rannte zum Herzen des Wirbelsturms. Als ich näher kam, dachte ich den Wirbelsturm sehen zu können. Es hatte Farben! Es war rot! Und ich war nur ein kleines Blättchen, dass zu einem roten Wirbelsturm rannte.

Wenn man so nah bei einem Wirbelsturm ist, dass man nicht nur sieht was er verursacht, kann man erkennen, dass die Bewegungen des Windes eigentlich ein graziöser Tanz sind. Ich konnte nicht glauben, dass der rote Wirbelsturm überhaupt was verursachen wollte. Vielleicht wollte es nichtmal ein Wirbelsturm sein. Es wollte sich nur sehr schnell drehen.

Ich bemerkte die Muster, die der Wirbelsturm in die Luft zeichnete. Die Farben, die er versprühte, verblassten nicht gleich, sondern spritzen weiter, wie Feuer. Ich dachte, die Silhouette einer Frau in der ruhigen Mitte des Wirbelsturms erkennen zu können, wie sie sich dort in Trance tanzte.

Doch so plötzlich wie ich dachte sie zu erkennen, war sie wieder verschwunden. Und alles was blieb waren die Farben, die Bewegungen, und die mächtigen Kreise. Warum faszinierte sie mich so sehr? Es konnte überhaupt nicht sein, dass die Frau, die ich suchte, sich hinter diesen mächtigen Bewegungen verbarg. Sie ist in dem anderen Leben stark gewesen. Logischerweise sollte ihre Lüge das Gegenteilige sein.

Ich hörte auf zu ihr zu rennen. Ich beschloß, dass es doch besser war umzudrehen und in der Sicherheit des Bodenholzes zu verkriechen. In diesem Augenblick aber wurde der Sturm schneller und schneller, lauter und lauter. Die Farben wurden intensiver. Und plötzlich verließen meine Füße den Erdboden. Sie trägt mich! Ich versuchte mich umzudrehen und sie anzuschauen, doch in dem Sturm wurde ich auf den Kopf gestellt.

Ein kleines, grünes Blatt, das falschherum in einem Wirbelsturm hängt. Sicher gehalten, auf dem Kopf. Josephine hatte recht gehabt als sie sagte, unsere Lügen wären Komplimentär zueinander. Ich war das Blatt und sie war der Wind. Das war unser gemeinsamer Tanz. Ich wusste ich hatte sie gefunden. Die einzige Frau, die meine Welt auf den Kopf stellen konnte.

*

Die rote Wirbelsturmtänzerin ließ mich mit einem überraschten Laut fallen. Sie hatte nicht bemerkt, dass sie mich getragen hatte. Jetzt musterte sie mich.

 

Geht's Dir gut?

 

„Du hast gesagt, Du kannst Dich niemals verändern,“ antwortete ich einfach.

 

Sie richtete sich sofort auf. „Kann ich auch nicht. Ich bin ein Wirbelsturm.

 

„Nein, das glaube ich nicht. Von Weitem könnte man Dich für einen halten, aber von Nahem sieht man Deine Farben. Wirbelstürme haben normalerweise keine Farben.“

 

Wirbelstürme zerstören aber,“ sagte sie sturrköpfig. Ich schaute umher.

 

„Hier ist aber nichts zerstört.“ Die rote Farbe erstarrte in der Luft. Ich wurde mutiger. „Ich glaube, Du bist gar kein echter Wirbelsturm!“

 

Aber ich verletzte alles um mich,“ murmelte sie verbittert.

 

„Ich glaube, Du bist eine Tänzerin. Vielleicht etwas temperamentvoll, aber trotz allem eine Tänzerin. Und ich glaube, Du kannst Dich verändern.“

 

Die rote Farbe wandte sich ab; die Silhouette fing an zu verblassen. Ich sprach schneller: „Du hast gesagt, Du würdest Dich hinter einer Lüge verstecken, die Lüge, dass Du alles zerstörst. Du hast gedacht, so werde ich Dich niemals suchen und auch niemals finden können. Aber ich habe Dich gefunden, und Du hast gar nichts zerstört. Wenn es eine Lüge ist, dass Du alles nur zerstörst, dann ist es die Wahrheit, dass Du Dich verändern kannst.“

 

Die Farbe drehte sich schnell um. Ich fühlte wie die dunkle Silhouette sich zu mir beugte. Ich fühlte mich plötzlich sehr lächerlich, ich knochiges, grünes Blättchen.

 

Wer bist Du!“ fragte sie fordernd.

 

Ich antwortete auf die Frage, die sie mir vorhin gestellt hatte.

 

„Es geht mir gut.“


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Kommentare 

 
#1 akinkanju 11.03.2009

Bitte um die englische Originalfassung .
Please show the original English version.
rza
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